In den Kirchen läuten schon seit vielen hundert Jahren die Glocken, um Menschen in Dörfern und Städten zum Gebet zu rufen oder sie daran zu erinnern - das ist keine Erfindung von instagram oder faceboook.

Die Zeiten sind dabei aber nicht willkürlich festgelegt.

Vielmehr begleiten die Glocken den Tageslauf der Menschen und den Rhythmus von Arbeit und Ruhe.

Nur deshalb läuten Glocken

  • am Beginn eines Tages zum Morgengebet
  • in der Mitte des Tages zum Mittagsgebet
  • am Abend eines Tages zum Abendgebet und zur Ruhe von der Arbeit.

Bei uns in Voerde sind diese Zeiten schon seit jeher um 7.00 und 12.00 und 18.00 Uhr

Gerade in diese Verlässlichkeit kommt unser Vertrauen auf Gott zum Ausdruck.

Da wird am Ende der Sintflut-Geschichte überliefert:

Gott sprach in seinem Herzen:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören

Saat und Ernte

Frost und Hitze

Sommer und Winter

Tag und Nacht !

Deshalb muss man auch mal ausatmen und kann nicht permanent nach Luft schnappen - und deshalb läuten wir außerhalb der drei Tageszeiten auch nur zum Gottesdienst oder die Totenglocke:

Wenn ein Gemeindeglied verstorben ist, dürfen wir uns der eigenen Sterblichkeit erinnern und sind doch in der Gemeinschaft der Christen und bei Gott aufgehoben.

In Norditalien sind die Menschen abends inzwischen still geworden.

Kein Applaus und Gesang oder sonstiges Getöse mehr, wenn in der Dunkelheit die LKWs mit den Toten durch die Straßen fahren.

Manchmal ist es auch für die eigene Seele besser, in Stille und Würde auszuhalten, was wir gerade nicht ändern können - und trotzdem in Ruhe und mit Selbstverständlichkeit zu tun, was zu tun ist.

Nähe und Verbundenheit lässt sich wunderbar herstellen und erhalten, wenn wir uns jeden Tag bei einem anderen Menschen melden - z.B. per Telefon - und uns erkundigen!

Da haben es die Pfarrer schwer, alle im Blick zu behalten, zumal viele Gemeindeglieder inzwischen nicht mehr im Telefonbuch zu finden sind ....

Darum:

Wer kann, darf sich abends ans offene Fenster oder in den Garten setzen und zusehen wie die Sonne untergeht und zuhören, wie die Welt zur Ruhe kommt. Vielleicht stellt sich dann sogar eine innere Ruhe ein, die gut tut.

Wartet dazu bitte nicht auf das Läuten der Glocken oder den Gesang der Nachbarn.

Liebe Grüße

Harald Eickmeier