Liebe Gemeinde,

Irgendwie fand ich, passte das schöne Frühlingswetter und der Sonnenschein der letzten Tage nicht zu den Schreckensmeldungen über das Coronavirus. Kein Verweilen im Café oder auf den Plätzen, stattdessen Abstand halten und Kontaktsperre. In diesem Jahr ist alles anders. Und jetzt: Ostern -  wie passt das zusammen? Fühlt es sich nicht eher so an, als müsste die Passionszeit und Karwoche verlängert werden? So kommt es mir vor, wenn ich die Nachrichten und Sondersendungen sehe. All das Leid macht mich fassungslos.

Fassungslos und traurig waren auch die Frauen am Grab Jesu von denen in der Ostergeschichte im Markusevangelium erzählt wird.  Die Erlebnisse der letzten Tage, die Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung Jesu steckte ihnen noch in den Knochen. Sie kamen zum Grab, um den Leichnam Jesu, so wie es damals üblich war, mit kostbarem Öl zu balsamieren. Das war alles, was sie noch tun konnten. Aber: Das Grab ist leer. Ein Engel sagt ihnen: Jesus ist auferstanden.

"Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier, siehe da die Stätte wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Ob die Botschaft bei den drei Frauen direkt angekommen ist? Ich weiß es nicht. Erst einmal gehen sie  aus dem Grab heraus und laufen weg. Sie sagen niemandem etwas, weil sie sich fürchten. So endet das Osterevangelium von Markus. Kein fröhliches Lebensfest,  kein Jubel über die Auferstehung –  stattdessen eher: Verunsicherung, Schweigen, Ratlosigkeit.

Soll das Ostern sein?

Anscheinend schon. Aber die Botschaft von der Auferstehung braucht Zeit anzukommen. Trauer verwandelt sich nicht einfach so in Freude.  Das braucht Zeit. Es braucht Zeit, Kraft zu finden und  wieder den Schritt ins Leben, in den Alltag zu gehen.

Der Engel im Grab schickt die Frauen zurück nach Galiläa, dorthin, wo sie mit Jesus gelebt haben, dorthin wo ihr Alltag ist. Der Engel sagt  ihnen zu, „Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Das ist die Osterbotschaft. Gott ist im Alltag zu finden. Er kümmert sich und bleibt an unserer Seite auch in der Krise. Das hat er uns zugesagt. Die Frauen gehen weg vom Grab. Das, was sie in Bewegung setzt ist die Zuversicht. Es ist das Vertrauen darauf, dass sie Jesus in ihrem Alltag finden werden. Es ist das Vertrauen darauf, dass Gott weiter für uns Menschen da ist und in unser Leben eingreift.

"Geht hin und sagt seinen Jüngern und Petrus , dass er vor euch hingehen wir nach Galiläa wie er euch gesagt hat." So wie die Frauen beauftragt werden diese Nachricht weiterzugeben, so schickt Gott uns heute auch in unsere Welt, um Zuversicht zu verbreiten.

Ostern ist dann, wenn Gott Menschen an die Seite stellt, die in einsamen Momenten da sind.

Ostern ist dann, wenn nach einer schweren Zeit wieder neuer Lebensmut wächst und man sich über kleine Dinge wieder freuen kann.

Und in diesen Zeiten von Corona ist Ostern auch dann, wenn Menschen trotz allem miteinander in Kontakt bleiben, füreinander da sind  sich gegenseitig zeigen, dass sie aneinander denken.

Ostern ist immer dann, wenn er Angst in Zuversicht, Verzweiflung in Hoffnung, Verzagen in Mut verwandelt, auch in diesen Zeiten.

Ich wünsche, dass Sie Mut, Zuversicht und Hoffnung weiter tragen können an andere und genauso sich auch selbst davon getragen fühlen.

„Geht nach Galiläa,  dort werdet ihr ihn sehen wie er euch gesagt hat“
Amen

 

Christ ist erstanden von der Mater alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.
Wär er nicht erstynden,
so wär die Welt vergangen;
seit dass er erstanden ist,
so lobn wir den Vater Jesu Christ. Kyrieleis. (eg 99)

 

Viele Grüße Hanke Ibbeken

 



Karfreitag


Wird schon wieder ?
Nein. Eben nicht.

Wirkliche Abschiede tun weh und verheilen nicht, wie oberflächliche Wunden es tun.
Eine Zeit lang können Menschen vieles verdrängen und überspielen. Aber da, wo es um echte Verluste und dauerhaften Abschied geht, hilft es nicht, immer zu hören, dass am Ende alles gut wird.
Vor 2000 Jahren haben das selbst die begreifen müssen, die mit dem Mann aus Nazareth ein Stück Leben geteilt haben.
Der konnte doch unglaubliche Wunder vollbringen! Der konnte Menschen innerlich und äußerlich so berühren, dass deren Leben wieder ganz und heil war.
Aber als er selbst die Dunkelheit des Sterbens erleben musste, da hat auch der nur geschrien. Hat Gott angeschrien: Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Darauf gab es auch damals keine Antwort.
Gott beantwortet diese Frage nach dem „warum“ nicht.
Jede vermeintliche Antwort bleibt am Kreuz hängen.
Aber die, die zuerst nur weglaufen konnten und in ihrer Trauer auch Wut und Enttäuschung gespürt habe, die konnten nach einiger Zeit sagen:
Gott hat ihn nicht verlassen. Gott vergisst keinen Menschen! Erst recht nicht, wenn wir sterben müssen.
Wir müssen den Schmerz und den Abschied aushalten. Aber gerade dann ist Gott bei uns. Er füllt die Lücke nicht aus. Er klebt auch kein Pflaster auf unsere Wunden. Er sagt eben nicht: „Wird schon wieder !“
Er bleibt stumm an unserer Seite und will nur, dass wir das spüren: „Auch in der Dunkelheit bin ich bei Dir.“
Gottes Geheimnis ist größer als der Tod.
Aber das feiern wir erst an Ostern – und nicht vorher.

Harald Eickmeier
Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Götterswickerhamm